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Christine Bräu wird mit einem Blumenstrauß verabschiedet. Christine Bräu wird mit einem Blumenstrauß verabschiedet.

Nach fast 54 Jahren im Dienst des Studierendenwerks Niederbayern/Oberpfalz ist Christine Bräu am 30. Juni 2025 in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. In einem Interview blickt sie zurück auf über fünf Jahrzehnte voller Wandel, Herausforderungen – und vor allem menschlicher Begegnungen. Mit viel Herzblut, Humor und Gespür für die Bedürfnisse der Studierenden hat sie Generationen begleitet. Im Gespräch erzählt sie von besonderen Momenten, prägenden Erlebnissen und gibt den jungen Kolleginnen und Kollegen eine wertvolle Botschaft mit auf den Weg.

STWNO: Wenn Sie auf 54 Dienstjahre zurückblicken - was war für Sie der prägendste Moment in dieser Zeit?
Christine Bräu: Während meiner Zeit im früheren Info-Punkt erzählte mir ein Studierender, dem es sichtlich schwer fiel darüber zu sprechen, dass seine Eltern den Semesterbeitrag nicht aufbringen könnten. Ich habe ihn an die Sozialberatung (heute: Beratung Studentisches Leben) verwiesen, da ich wusste, dass es dort einen Sozialfond gab. Diese Geschichte hat mich sehr berührt und mir vor Augen geführt, wie wichtig unsere Aufgabe gerade zur Lösung in prekären Einzelfällen war und ist.

STWNO: Wie sah Ihr erster Arbeitstag beim Studierendenwerk aus - können Sie sich noch erinnern?
Christine Bräu: Am 05.08.1971 wurde ich vom damaligen Geschäftsführer Werner Nees begrüßt. Man zeigte mir auf einem Rundgang die Milchbar im halbfertigen Zustand und anschließend meinen Arbeitsplatz im "Großraumbüro" dem heutigen Gästesaal der Mensa mit ca. 10 Schreibtischen.

STWNO: Welche Veränderungen im Arbeitsalltag oder in der Organisation haben Sie über die Jahre am meisten beeindruckt?
Christine Bräu: Am meisten beeindruckt hat mich die fortschreitende Digitalisierung.

STWNO: Gab es eine besonders lustige oder außergewöhnliche Anekdote, die Sie nie vergessen werden?
Christine Bräu: Der damalige Leiter der BAföG-Abteilung Roland Kress forderte die Akte "Wallermüller" zur Durchsicht an. Trotz intensiver Suche im Sachgebiet durch die Kollegen war die Akte nicht auffindbar. Ich als Sekretärin musste dies dem Chef erklären. Es stellte sich aber dann heraus, dass es sich bei der gesuchten Akte um einen "Walter Müller" handelte. Unser Chef war gebürtiger Franke!

STWNO: Was hat Ihnen in all den Jahren besonders viel Freude bereitet?
Christine Bräu: Am meisten Spaß an meiner Tätigkeit machte mir der Kontakt zu Menschen, vor allem jungen Menschen, wobei bei mir der Servicegedanke immer im Vordergrund stand.

STWNO: Gibt es eine Generation Studierender, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist - und wenn ja, warum?
Christine Bräu: In guter Erinnerung ist mir die Generation der Studierenden in den 70igern geblieben. Meist unkompliziert, bodenständig, frei von überzogenen Ansprüchen.

STWNO: Welche Herausforderungen haben Sie im Laufe der Zeit gemeistert, auf die Sie heute besonders stolz sind?
Christine Bräu: Besonders herausfordernd waren die 80er-Jahre. Damals wurde die elektronische Datenverarbeitung eingeführt. Es war eine sehr komplexe Aufgabe, das umfangreiche Schriftgut zu verwalten, also die Vordrucke und die Schriftsätze. Vor allen Dingen war der Sprung von der mechanischen Schreibmaschine auf ein System ohne grafischer Benutzeroberfläche ein gewaltiger. Später musste ich mich dann auf Word für Windows umstellen.

STWNO: Was werden Sie am meisten vermissen - und was vielleicht gar nicht?
Christine Bräu: Die schönsten Erlebnisse meiner Tätigkeit beim Studierendenwerk waren die Wertschätzung und der Respekt meiner jeweiligen Vorgesetzten und auch insbesondere die Freundschaft meiner Kollegen. Weniger gefallen hat mir Zeitdruck und manches Mal mangelnde Kommunikation.

STWNO: Was haben Sie sich für die Zeit im Ruhestand vorgenommen? Gibt es Pläne oder Träume, die Sie verwirklichen möchten?
Christine Bräu: Im Ruhestand wird sich für mich so gut wie nichts ändern. Ich gehe weiterhin vielen Interessen nach und werde immer aufgeschlossen für neue Eindrücke und Aufgaben sein.

STWNO: Welche Botschaft oder welchen Rat möchten Sie den jüngeren Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben?
Christine Bräu: Seid kollegial, freundlich und aufgeschlossen. Bedenkt, ihr habt es mit sehr jungen unerfahrenen Menschen zu tun, von denen viele eure Unterstützung brauchen.

STWNO: Frau Bräu, vielen Dank für das Interview und alles Gute zum Ruhestand!

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