Der Goldene Turm gilt als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Regensburg. Nur wenigen ist bekannt, dass das denkmalgeschützte Bauwerk eine Studentenwohnanlage mit 43 Wohnplätzen enthält. Um den historischen Befund aus Wandmalereien und Holztäfelung zu bewahren, lässt das Studentenwerk das Turmzimmer im 9. OG restaurieren.

An der Spitze des um 1250 erbauten und zum Anfang des 14. Jahrhunderts aufgestockten Turms befindet sich im unteren Bereich des um 1600 aufgesetzten Pyramidendachs das aus bemalten Holztafeln konstruierte Turmzimmer.

Unerforschte Wandmalereien aus der Renaissance

Bereits um das Jahr 1600 entstanden die auf den Holztafeln angebrachten Malereien. Sie zeigen meist unbekleidete weibliche und männliche Skulpturen, die jeweils einzeln in unterschiedlichen Posen und in gemalten Wandnischen stehen. Eine genaue Deutung der Darstellungen ist schwierig. Die von den Statuen gehaltenen Gegenstände und Attribute sowie offensichtlich vorhandene körperliche Eigenheiten sind kaum mehr ablesbar. Ein vom Studentenwerk in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht und die anschließenden Restaurierungsarbeiten können aber die bauliche Entwicklung der vergangenen Jahrhunderte offenlegen:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts – eventuell auch schon früher – wurde die Raumkonstruktion in Teilen verändert und vermutlich die Täfelung neu bemalt. Hierfür werden die gliedernden Profilleisten entfernt und die noch vorhandenen Bereiche der ursprünglichen Malerei mit Rupfen bzw. Leinwand überspannt. Die erhaltenen Reste zeigen florale Ornamentmalerei mit Akanthusranken, Blüten, Granatäpfeln etc. ergänzt durch figürliche Darstellungen, beides in rapportartiger Wiederholung.

Vermutlich noch vor 1900 wird die Kaschierung der älteren Malerei wieder entfernt und der Raum in diesem rudimentären Zustand belassen. Die Abnahme der wohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts angebrachten Leinwände führte die Wandmalerei zur Zeit der Renaissance zurück. Die jüngsten neutralen Ergänzungen der Tafelwände durch holzsichtige Bretter sowie partielle statische Ertüchtigungen an den Außenseiten der Wände erfolgten zum Ende des 20. Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Holzdecke mit gefasten Brettern erneuert.

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Schadenserhebung und Ziel der Konservierung

Bereits 2018 beauftragte das Studentenwerk die Restaurierungswerkstatt Landskron mit der Redaktion eines Untersuchungsberichts zur Schadenserhebung und Vorbereitung zur Konservierung der bemalten Täfelung in der Turmkammer. In der Zusammenfassung des Berichts heißt es zum Zustand der Holztäfelung: „Die Holzsubstanz der einzelnen Bretter und Tafeln ist gut, ein Befall mit holzzerstörenden Insekten ist nicht festzustellen. Es zeigen sich vor allem nutzungsbedingte Schäden.“ Und zum Zustand der Wandmalereien: „Die Malereien sind aus unterschiedlichen Gründen meist stark reduziert, die Malschicht ist in vielen Bereichen schwach gebunden und pudert an der Oberfläche ab. Zudem ist die Bindung zum Bildträger oftmals mangelhaft, die Malschicht hat sich in weiten Bereichen gelockert.“

Ziel der Restaurierungsarbeiten ist aus denkmalpflegerischer und restauratorischer Sicht eine reine Konservierung des überkommenen Zustands. Eine Festigung gelockerter Malschichten und abpudernder Malereibereiche sowie die Abnahme sich schädlich auswirkender Verschmutzungen soll den Bestand und Erhalt der Turmkammer mit ihrer Tafelmalerei für die nächsten Jahre sichern.

Ende der Restaurierungsarbeiten im Mai 2019

Auf Grundlage des Untersuchungsberichts führte die Firma Preis & Preis Werkstätten für Restaurierung die Konservierungsarbeiten von Mitte April bis Mitte Mai 2019 durch. Da die Malschicht aufgrund von klimatischen Einflüssen und Alterung zu bröckeln begann, sollen Festigungsvorgänge die Malereien erhalten.

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Exklusiv: Virtuelle Führung im Goldenen Turm

Da der Aufstieg zum Goldenen Turm durch bewohnten Raum in der gleichnamigen Studentenwohnanlage führt, ist dieses Wahrzeichen der Stadt Regensburg trotz seiner historischen Bedeutung nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Dennoch möchten wir Euch die verborgenen Schätze nicht vorenthalten:

Seid bereit für eine virtuelle Führung durch die vergangenen Jahrhunderte!

Hier geht's zur 360°-Ansicht! - Turmzimmer